Winterkälte Obdachlos

Liebe Freunde von “Gemeinsam gegen Kälte”,

in diesem Winter 2014 erhielt ich am späten Nachmittag einen Anruf meines Hausarztes, der in der Nähe des Schumannhauses seine Praxis führt. Er fragte mich, ob ich einen Schlafsack und eine Isomatte hätte. Ein Obdachloser lag vor seiner Praxis auf der Straße, nur notdürftig mit einer dünnen Decke zugedeckt. Da ich nicht zuhause war, ging meinHausarzt zum nächsten Kaufhof und kaufte dort eine Isomatte. Er gab sie dem jungen Mann und bot ihm an, in seiner Tiefgarage zu schlafen. Dort ist es warm, und es gibt auch Wasser und eine Toilette. Es war noch ein anderer Mieter dieser Tiefgarage zugegen, der ebenfalls sein Einverständnis gab. Der Arzt gab dem Obdachlosen seine Visitenkarte zum Vorzeigen für den Fall, dass sich andere Mieter beschweren.

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Sie schliefen in einem Stall, denn in der Herberge war kein Platz mehr.“
Stall von Bethlehem im Jahr der Geburt Christi.
Er schlief auf der Straße, obwohl in der Tiefgarage noch Platz war!
Düsseldorf, Bilker Str. vor der Tiefgarage, 2014 n. Chr.

Als ich abends nach 22.00 Uhr mit dem Auto nach Hause kam, zeigte das Autothermometer Glättegefahr an: 4° plus, der erste richtig kalte Tag in Düsseldorf. Unweit des Eingangs zum Schumannhaus lag der junge Mann mit seiner roten Decke vor der Garage auf der Straße. Ich erkannte ihn, es war Klaus. Ich hatte ihn im Sommer schon in der Altstadt mit genau dieser roten Decke auf der Straße liegen sehen und ihm 20,00 € gegeben.

Im Oktober wurde es kälter und ich sah ihn wieder auf der Straße liegen. Die Notunterkünfte hatten alle zu und so nahm ich ihn mit nach Hause ins Schumannhaus. Ich habe ihm im Wohnzimmer das Gästebett ausgezogen und ein Butterbrot geschmiert. Was mich schon damals wunderte: er stand weder unter Drogen, noch war der geringste Alkoholgeruch festzustellen. Außerdem war er vom Äußeren her – den Umständen entsprechend – nicht verwahrlost. Nun lag er also erneut auf der Straße, aber es waren nur 4°. Ständig gingen Leute an ihm vorbei, die einen lachten, die anderen machten einen großen Bogen. Vorsichtig sprach ich ihn bei über den Kopf gezogener Decke an.

Klaus erinnerte sich an mich. Er war aus der Tiefgarage herausgeflogen. Ein anderer Mieter war gekommen und hatte ihn aus der Tiefgarage rausgeschmissen, obwohl er die Visitenkarte des im Viertel sehr bekannten Hausarztes vorgewiesen hatte. Ich konnte es nicht glauben, dass man einen Menschen, der nichts als eine dünne Decke mit sich führt, bei dieser Kälte wieder auf die Straße setzt. Einer Kälte, bei der man nachts keinen Hund vor die Tür jagt: auch wenn die Temperaturen nicht unter dem Gefrierpunkt liegen, kann man sich im Schlaf so unterkühlen, dass man stirbt. Das ist doch völlig klar! Wer es nicht glaubt, der soll sich mal selbst so auf die Straße legen! Nun bot ich ihm an, erneut zu mir ins Schumannhaus zu kommen, aber er sagte, so kalt sei es doch gar nicht und er wollte nicht unhöflich sein, es wäre unverschämt von ihm, wenn er mitkommen würde usw.. Ich musste all meine Überredungskünste aufbringen, damit er mit mir ins Warme kam.


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Aus Höflichkeit wollte er nicht erneut im Bett schlafen, so legte ich ihm meine Yogamatte auf den Boden und er hat dort die Nacht verbracht.

Am nächsten Morgen sind wir mit ihm zum Einkaufen gegangen, haben ihm eine Isomatte, einen Schlafsack und einen vernünftigen Rucksack besorgt, so dass er schon mal ein Stück weiter war.

2014-11-21 16.23.25Ich habe ihm auch angeboten, mich weiter um ihn zu kümmern und ihm unsere Bürotelefonnummer und meine Handynummer gegeben. Wir hoffen, dass er sich wieder bei uns meldet und wir ihn in einer Wohngemeinschaft für betreutes Wohnen unterbringen können. In die Notunterkünfte geht er nicht, weil dort seine Sachen gestohlen worden waren. Er hatte lediglich eine kleine Tasche mit einem Laib Brot bei sich. Mehr nicht! Dies habe ich selbst gesehen und miterlebt und kann es mit den eingefügten Fotos belegen. Klaus hat hierfür und für den Abdruck der Bilder (mit Augenbalken) seine Erlaubnis gegeben. Die Ausrüstung, die wir ihm mit auf den Weg gaben, haben wir durch Ihre Spenden finanziert. Außerdem stecken Ihre Spenden in den zahlreichen Projekten, die wir durch die letzte große Tournee förderten und den meinungsbildenden Maßnahmen wie Plakaten, Prospekten, Internetseite etc.. Wir versuchen, Obdachlosen bei Sponsoren und in der Politik eine Lobby zu verschaffen. Wie dringend nötig dies ist, zeigt der geschilderte Vorfall. Ich bitte Sie herzlich, unserem Verein auch in diesem Jahr eine Weihnachtsspende zukommen zu lassen.